Voller Einsatz bis zum Abschied:Luisa Knippert verlässt VfL Oldenburg am Saisonende

Der VfL Oldenburg wird ab der nächsten Saison auf Luisa Knippert verzichten müssen. Die 26-Jährige wird ihren im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Seit 2020 lief die Rückraumspielerin für die Huntestädterinnen auf – und trug mit ihrem großen Einsatzwillen zu den Erfolgen in dieser Zeit bei.

Wer Luisa Knippert auf dem Handballfeld beobachtet, dem dürfte es wohl sofort auffallen: In jeder Aktion ist sie da, diese unbändige Einsatzbereitschaft, der Wille, für die eigene Mannschaft alles zu geben – und das zu 100 Prozent. Bis zum Saisonende dürfen sich das Team und die Fans noch auf diese Hingabe und Motivation freuen. Danach aber endet die Zeit von Luisa Knippert im Bundesliga-Team des VfL Oldenburg. Nach fünf Jahren an der Hunte verlässt die 26-Jährige den Verein.

Ausgerechnet diese 100-prozentige Einsatzbereitschaft ist es, die eine Zukunft von Knippert nicht zulässt. Nach fünf Jahren in der Beletage des Frauenhandballs ist es für die Rechtshänderin an der Zeit für einen neuen Lebensabschnitt. „Ich beende im Sommer mein Studium“, erzählt die angehende Lehrerin (Deutsch und Geschichte), die danach mit ihrem Referendariat beginnen möchte. „Das Referendariat und die Handball-Bundesliga kann ich miteinander so nicht vereinbaren. Das stand für mich fest.“ Der Fokus werde sich nun in Richtung Beruf verschieben. „Ich möchte in beiden Bereichen 100 Prozent geben. Das ist mit dieser Doppelbelastung von Handball-Bundesliga und Referendariat parallel nicht möglich.“

In einigen Monaten endet somit eine erfolgreiche Zusammenarbeit von fast fünf Jahren. Im Sommer 2020 wechselte Luisa Knippert vom Zweitligisten TV Beyeröhde in die Huntestadt und schaffte somit den Sprung in die Bundesliga. „Ich kann mich noch erinnern, dass damals viel unter dem Einfluss der Corona-Pandemie stand“, erzählt Knippert: „Es war damals super, den Umgang mit der Mannschaft zu haben.“ Die Trainingseinheiten steigerten sich deutlich, der Aufwand wurde größer. Viel Eingewöhnungszeit benötigte die Rückraumspielerin aber nicht und fand sich auf Anhieb im Oberhaus zurecht. „Ich war sehr glücklich, gleich eine große Verantwortung zu bekommen“, verrät Knippert. Am 6. September gab sie ihr Bundesliga-Debüt – und feierte mit dem VfL gegen den TuS Metzingen einen furiosen 26:25-Erfolg. „Dort in der EWE-Arena aufzulaufen, war ein ganz besonderer Moment.“ Es ist der Beginn einer sehr erfolgreichen Zeit, in der Knippert die Entwicklung des Vereins nicht nur hautnah miterlebte, sondern mit ihrer Einsatzbereitschaft und Leistung maßgeblich mitgestaltete.

Ihren vorzeitigen Höhepunkt erlebte Knippert mit dem VfL im Mai 2022. Im Final4 um den DHB-Pokal bezwang Oldenburg im Nord-Derby den Buxtehuder SV und zog so ins Endspiel ein. Auch wenn es hier gegen den großen Favoriten SG BBM Bietigheim eine Niederlage setzte, mit dem großen Erfolg hatte der VfL die Qualifikation für die European League geschafft. Knippert und der VfL befanden sich auf einem Höhenflug – der am Abend des 15. Oktober aber ein abruptes Ende fand. Beim Bundesliga-Gastspiel bei Borussia Dortmund riss sie sich im linken Knie das vordere Kreuzband – ihr großer Traum, international zu spielen, drohte zu platzen.

Ein Jahr lang kämpfte sich Knippert zurück. Ihr Team hatte sich über die Bundesliga furios ein Ticket für den europäischen Wettbewerb erkämpft. Und so saß Luisa Knippert in der 2. Runde der EHF European League bei PAOK Thessaloniki wieder auf der Bank, gab dann gegen die HSG Bad Wildungen Vipers in der Bundesliga ihr Comeback. Und: Auch Knipperts Traum, europäisch zu spielen ging in Erfüllung. Im Hin- und Rückspiel gegen die HSG Bensheim/Auerbach kam die Rechtshändering zum Einsatz, erzielte insgesamt sieben Tore. „Das war ein absolutes Highlight“, blickt Knippert zurück: „Es war der Lohn für die harte Arbeit in den Monaten zuvor. Emotional waren das sicherlich die schönsten Spiele.“

„Luisa hat immer alles reingehauen“, sagt Andreas Lampe, Geschäftsführer des VfL Oldenburg: „Als wir sie damals aus der 2. Liga geholt haben, hat wohl kaum jemand mit dieser schnellen Entwicklung gerechnet. Sie ist sofort eingeschlagen und hat mit ihrer Art auf und neben dem Spielfeld sehr beeindruckt. Wir sind sehr froh über die gemeinsame Zeit.“ So habe sich Knippert auch aus ihrer Verletzung eindrucksvoll zurückgekämpft. „Wir werden immer mit großer Freude an die gemeinsame Zeit zurückdenken.“

Wie es im Sommer handballerisch für Luisa Knippert weitergeht? Das steht aktuell noch nicht fest. „Ich weiß, dass ich den Aufwand der Bundesliga nicht weiterfahren möchte“, sagt sie: „Ich schaue, ob sich da etwas ergibt und lasse das auf mich zukommen.“ Bis es soweit ist, hat sie ohnehin noch andere Pläne – und zwar mit dem VfL Oldenburg. „Nach der Pause wollen wir wieder in die Erfolgsspur zurückkehren“, kündigt die 26-Jährige an: „Ziel ist es, dass wir uns für die Playoffs qualifizieren. Im neuen Modus bin ich dann gespannt, wer dort auf uns wartet.“ Gerade die Teams im Mittelfeld hätten in dieser Saison bislang sehr eng beieinander gelegen. „Wir wollen uns eine gute Ausgangslage verschaffen. Und dann schauen, was möglich ist.“ So viel steht jedenfalls fest: 100 Prozent Einsatzbereitschaft – darauf können sich die Fans des VfL Oldenburg bei Luisa Knippert bis zur letzten Spielminute verlassen.

Sönke Spille